Sonntag, 11. Juli 2010

Erste Eindùeke von Espinar

Ein liebes Hallo aus dem kalten und hohen Espinar. Ich bin also hier in meinem Bestimmungsort angekommen, wo ich die nächsten drei Monate verbringen werden. Da dieser Post auch direkt noch für meine Hochschule ist, kommt er eher etwas fachlicher heraus als die vorhergehenden. Also zu Espinar. Dieses Städtchen umfasst ca. 20‘000 Einwohner welche sich im Umkreis von etwa 7 km vom Zentrum aufhalten. Dies klinkt zwar nach viel, man bemerkt jedoch nicht dass es wirklich so viele Leute hat, da es wirklich nur im Zentrum immer ein Geläuf ist. Geht man jedoch ein Kilometer vom Zentrum weg, ist es wie eine Geisterstadt. Diese Städtchen ist jedoch mehr als das ich mir vorgestellt habe. Ich habe vor der Abreise eher an ein kleines Kaff mit Garnichts gedacht. In diesem Punkt habe ich mich jedoch getäuscht, aber was das Garnichts angeht hatte ich doch Recht. Die Stadt hat zwar viele Einwohner und hat auch eine gewisse Grösse, was jedoch den Einkauf betrifft kriegst du hier nur wirklich das nötigste zum Leben und zum Bauen. Falls ich also hier z.B. einen Antirostspray benötige, welchen ich schon einige Male benötigt hätte, muss ich entweder nach Arequipa fahren welches ca.6 Std. entfernt liegt, oder ich beauftrage einen Händler welcher mir diesen zu einem „ Wahnsinnigen“ Preis besorgt ( morgen oder übermorgen oder in einer Woche ;). Der Hauptteil der Leute hier arbeitet in einer der Rundumliegenden Kupfermienen, welche einen Jährlichen Umsatz von rund 1Mia.Dollar machen. Somit ist eigentlich Geld vorhanden, jedoch so wie fast in jedem Drittweltland geht das Geld in die Taschen grosser ausländischer Firmen und einigen lokalen Chefs. So bleibt wiederum nichts für die Bevölkerung Die Leute jedoch sind sehr freundlich, spontan und wenn man mit ihnen etwas redet auch sehr offen. Als Beispiel dafür: Der Mutter meiner Gastfamilie wo ich wohne gehört einer der ca.7 Radiostationen in Espinar ( Radio ist hier suuuuper populär ). Und als ich angekommen bin hatte mein Gastvater, welcher zugleich auch mein Chefingenieur ist, seine Radiosendung (Einmal pro Woche 1 Std. mit nicht peruanischer Musik, ach wie schön!!!).So hat er kurzerhand seine Moderation umgestaltet und der ganzen Stadt mitgeteilt wer ich bin, dass ich nun endlich da bin und das ich diverse Projekte mit ihm mitgestalten werde. So kam es nun, da es hier nicht gerade viele „Gringos“ hat( Luciano mein Gastvater und ich) das mich mitten auf der Strasse wildfremde Leute mit Namen ansprechen( fühle mich inzwischen wie ein Rockstar ;))). Dies ist auch gleich der Teil dieser Kultur der Leute hier den ich sehr schätze, und welcher zugleich auch der grösste Unterschied darstellt. Sie sind halt einfach wirklich viel offener und sagen auch was sie denken. So ist man hier einfach fast immer eingeladen, wenn der Freund eines Freundes eines Freundes jemanden von der Familie kennt, was immer der Fall ist. Was mich jedoch etwas stört an dieser Lebensart hier ist die „Hora Peruana“. Das ist eine Zeiteinheit die der unseren eigentlich recht ähnelt, jedoch haben sie noch eine spezielle „Unbekannte Variable“ welche ich noch nicht herausgefunden habe. Den die Peruaner kommen nie wirklich zu dieser Zeit zu der sie abgemacht haben, jedoch kommen trotzdem immer und wirklich fast immer alle gleich viel zu spät. So bin ich meistens der einzige der sich an die „offiziellen Arbeitszeiten“ welche von Luciano meinem Chefingenieur vorgegeben sind hält. Aus diesem Grund habe ich auch einen Schlüssel für alles bekommen, sodass wenigstens einer zu den angegebenen Arbeitszeiten vor Ort sein kann;). Diese Zwei Sachen also Offenheit und Pünktlichkeit sollte man wirklich zwischen der Schweiz und Peru etwas austauschen, sodass jeder sich vom anderen eine Scheibe abschneiden könnte. So möchte ich noch meine Tätigkeit hier etwas erläutern. Ich arbeite hier in einer sogenannten Sonnenwerkstatt. Diese existiert schon seit ca.8 Jahren und bemüht sich darum der Bevölkerung hier in der Stadt sowie auch auf dem Land die Technologie der Solarenergie etwas näher zu bringen. Dies einerseits indem sie Schulungen und Aufklärungsarbeit durchführt, und anderseits direkt auch Auftragskonstruktionen für die verschiedensten Bevölkerungsschichten macht. Also wie eine Firma für Solartechnik. Dabei beschränkt sich diese Arbeit nicht Fertigfabrikate, sondern es muss fast immer für jeden Kunden eine individuelle Lösung erarbeitet werden. Zudem versuchen die Mitarbeiter dieser Sonnenwerkstatt auch mit anderen Gesellschaften zusammenzuarbeite um gemeinsam der Bevölkerung einen besseren Lebensstandard zu ermöglichen. Mal einen kleinen Einblick in den Lebensstandard hier. Normalerweise jetzt im Winter, tagsüber ca.20-25°C und in der Nacht Temp. bis -20 °C. Dabei haben die wenigsten Leute hier eine Heizung und die Häuser sind sehr schlecht isoliert ( Nur Stein und Einfachglas ), zudem gibt es durchschnittlich ca.1.5 Std. am Tag Wasser und die Elektrizität hat viele Unterbrüche und reicht nicht für eine el. Heizung !!! Auch die einzige Tankstelle hier in Espinar hat nur gerade ca. jeden zweiten Tag Benzin und Diesel. Die Leute behelfen sich mit ca. 4-5 dicke „Armedecken“ für die Nacht, und mit viel warmen Getränken welche auf dem Gaskocher gemacht werden. Für das Wasser am Tag haben die meisten einen Tank zuhause welchen sie in der Zeit wo Wasser verfügbar ist möglichst gut füllen. Zudem kommt natürlich auch noch der grosse Alkoholkonsum dazu, mit welchem sich viele Herren hier die Probleme wegtrinken. Mein Teil in diesem Puzzle ist das mitarbeiten und erarbeiten neuer Lösungen für die vorhandenen Probleme und die Verbesserung der Aufklärungsmethoden. Die Lösung dieser Probleme ist meist keine schwierige Sache nach europäischen Verhältnissen;), aber wir haben ja auch Geld, Werkzeug und fliessend Wasser! Diese jedoch mit den sehr beschränkten hier zur Verfügung stehenden Mitteln zu lösen ist einiges schwieriger als dass man sich das vorstellt. Zudem darf es auch nicht zu teurer sein da sich sonst die Kunden, welche meistens Bauern sind, dies nicht leisten können. Also stehe ich fast jeden Tag vor dem gleichen Problem, ich habe zwar eine Lösung, kann sie hier jedoch nicht umsetzten. Dies kann einen manchmal wirklich den letzten Nerv kosten, wenn es nur an solchen „Kleinigkeiten“ zu scheitern droht. Mein Hauptthema was ich noch erarbeiten werde, ist die Effizienzmessung eines von Luciano selbst entwickelten Lehmofens welcher einerseits zum Kochen und Backen verwendet werden kann, und andererseits Warmwasser und Wärme für die Wohnung als Passivprodukt liefern soll. Diesen Ofen bin ich momentan am studieren und hoffe, diesen in den nächsten Wochen in meiner Freizeit ausmessen zu können. Ich weiss jedoch noch nicht wie viel Zeit ich dafür aufwenden kann, da auch für die anderen Sachen noch ziemlich viel Arbeit aufgewendet werden muss. So stehen z.B. in den nächsten Wochen diverse Schulungen in der näheren Umgebung ( ca. 3-4 Std. ) an. Ebenso sind wir auch an der Entwicklung eines einfachen Darrieus Windrades dran, welches sich selbst mit der Windgeschwindigkeit reguliert und so fast immer die gleiche Leistung bringt …… INTERESSANT !!!!!!;). Wie ihr seht habe ich sehr viel Arbeit, sehr viel Vor, jedoch sehr wenig Werkzeug und nicht allzu viel Zeit um meine Ziele zu verwirklichen. Zudem kommt noch dazu, dass ich doch auch gerne noch meine Umgebung und die Kultur hier etwas erleben möchte. Puhhhh bin also seeeehhhhrrr beschäftigt ;-). Somit wünsche ich euch einen heissen unerträglich feuchten und schönen Sommer und hoffe bald wieder einen etwas lustigeren Post machen zu können. ( Was jedoch nicht sehr einfach ist, da das Internet hier etwa so schnell ist wie bei uns vor 15 Jahren, und die besten Zeiten sind morgens bis ca. 07.30 und abends ab ca. 23.00. „Ond zo dene Zyte schiiissst mech das doch rächt aaaa !;););) Also rächnet zirka 1 Woche ( Hora Peruana ) :-)……Euche Helmut

1 Kommentar:

  1. Lieber Marcel, das tönt doch sehr interessant. Die Arbeit wird dir nicht so schnell ausgehen und Berge hat es bestimmt auch noch viele die es zu erklimmen gibt! Also, weiterhin Volldampf!! Lieber Grüsse, Christine (HOPLAA)

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